Schrot & Korn: Frauenquote in der Bio-Branche: Über dem Durchschnitt

Die März-Ausgabe des Kundenmagazins Schrot & Korn diskutiert mit führenden Frauen aus der Bio-Branche die Frauenquote und ihre leitende Rolle als Frau. Unter anderem foodloose-Gründerin Katharina Staudacher im Interview:

FRAUEN In der Bio-Branche gibt es viele Frauen ganz oben. Geht es also auch ohne Quote? // Uta Gensichen

Selbst heute noch, im Jahr 2016, können sich Frauen in der Schule und im Studium bemühen, wie sie möchten: Aus ihnen werden nur selten Chefinnen. Denn obwohl Mädchen mit den besseren Zeugnisnoten glänzen und die besseren Abschlüsse machen, stoßen sie irgendwann an die berühmte gläserne Decke. Frauen ab 30 – das heißt leider viel zu oft immer noch Karriereknick und befristeter Teilzeitjob.

Die Geschlechterquote der Bundesregierung soll diese Situation ändern. Seit Januar 2016 sind etwa 100 börsennotierte Konzerne verpflichtet, ihre Aufsichtsräte zu 30 Prozent mit Frauen zu besetzen. Gelingt das nicht, müssen die betreffenden Stühle leer bleiben. Außerdem sollen sich weitere 3500 Unternehmen eine freiwillige Quote in den obersten Führungsebenen setzen.

Dabei könnte alles so einfach sein. Die Bio-Branche macht es vor. Schon immer hatte die Bio-Bewegung einen gesamtgesellschaftlichen Blick. Ökologisch zu leben, hieß Ende der 1970er- Jahre auch, für alternative Lebensmodelle offen zu sein und tradierte Muster infrage zu stellen. Die Frauenbewegung und die Bio-Community gingen deshalb Hand in Hand.

Und das wirkt bis heute nach: Der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) hat unter seinen Mitgliedern untersucht, wie viele Hersteller, Groß- und Einzelhändler von Frauen geführt werden. Demnach werden rund 40 Prozent der befragten Unternehmen von Frauen geleitet oder mitgeleitet. „Gemessen am Bundesdurchschnitt“, sagt BNN-Sprecher Hilmar Hilger, sei das „ein beeindruckendes Ergebnis, auf das unsere Unternehmen zu Recht selbstbewusst verweisen können.“

In der Landwirtschaft sprechen die Zahlen eine andere Sprache. So werden EU-weit durchschnittlich 26 Prozent der ökologischen Agrarbetriebe von Frauen geleitet. Deutschland gehört mit rund elf Prozent dabei allerdings zu den Schlusslichtern. Was die Statistik der Europäischen Kommission aber nicht verrät, ist, dass es sich bei den landwirtschaftlichen Betrieben in der Regel um Familienbetriebe handelt. Und die werden meist partnerschaftlich geführt oder aber sind ohne das Zubrot und die Erledigung der Familienarbeit durch die Frau kaum denkbar.

Die Gründerinnen

"So einen Spagat schafft man nur als Frau"

 

Name: Katharina Staudacher (l.)

Alter: 35 Jahre

Tätig als: Leitet mit Verena Ballhaus-Riegler (r.) seit 2010 den Nussriegel-Hersteller foodloose

 

Was lieben Sie besonders an Ihrer Arbeit?

Die Abwechslung! Jeder Tag ist anders und an jedem Tag stehen wir wieder vor neuen Herausforderungen, mit denen wir vorher nichts zu tun hatten. Die Lernkurve ist auch nach fünf Jahren immer noch sehr hoch.


Haben Sie es je bedauert, eine Frau zu sein?

Nie! Es ist toll, eine Frau zu sein. Beide Aufgaben, Mutter von zwei Kindern und Geschäftsführerin, bereichern mein Leben unglaublich. So einen Spagat schafft man meistens nur als Frau. Wir sind eben doch multi-tasking-fähiger.



Sie wären jetzt nicht da, wo Sie sind, wenn …

... ich nicht die volle Unterstützung meiner Familie hätte. Meine Eltern haben unglaublich viel zum Erfolg von foodloose beigetragen. Mein Mann hält mir den Rücken frei und versteht, dass ich oft mit foodloose sehr eingespannt bin.

 

Brauchen wir eine Frauenquote?

Nein. Aber es muss ein Umdenken stattfinden. Die Gesellschaft muss das Teilzeitmodell und flexiblere Arbeitszeiten mehr tolerieren, damit auch Frauen mit Kindern Karriere machen können.

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